Urania-Planetarium
 
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Sterne über Potsdam im Winter/ Frühling 2019

Von Simon Plate, Planetariumsleiter

Aus: Potsdamer Neueste Nachrichten

 

Sternenhimmel

Abbildung: Sternenhimmel über Potsdam um Mitternacht – Quelle: Stellarium, bearbeitet vom URANIA-Planetarium

 

 

Vom Winter in den Frühling

 

Es wird frühlingshaft – nicht nur aktuell in Brandenburg, auch hoch über unseren Köpfen. Denn am Nachthimmel vollzieht sich gerade der Wechsel vom Winter- zum Frühlingssternhimmel. Das berühmte Wintersternbild des mythologischen Jägers Orion tritt langsam von der Himmelsbühne ab und steht abends bereits tief im Westen. Eingerahmt wird es von sechs auffallend hellen Sternen, die als Wintersechseck bekannt sind. Der Sternhimmel des Frühlings ist zwar weniger reich an sehr hellen Sternen, bietet dafür aber unvergleichlich tiefe Blicke in den Kosmos.

Drei Sternbilder mit ihren hellsten Sternen dominieren den Frühlingshimmel: Der Löwe mit dem Stern Regulus, die Jungfrau mit Spica und der Bärenhüter mit Arktur. Diese drei Sterne ergeben ein markantes Dreieck an unserem Nachthimmel, das sich um Mitternacht vom Osthorizont bis hoch in den Süden erstreckt.

Der Löwe ist eine uralte Figur an unserem Himmel: Seit der griechischen Antike ist er bekannt, doch wahrscheinlich haben bereits die Menschen im alten Ägypten in dieser Sternansammlung einen Löwen gesehen. Viele wundersame Sagen ranken sich um dieses Sternbild. Am bekanntesten dürfte jene vom Nemeischen Löwen sein, der vom Helden Herakles im Kampf niedergerungen wurde. Die Jungfrau mit dem Stern Spica können wir um Mitternacht über dem Südosthorizont beobachten. Spica bedeutet Kornähre. In der römischen Antike brachte man diesen Stern mit Ceres, der Göttin des Ackerbaus, in Verbindung. Der Bärenhüter ist in der antiken Mythologie der Beschützer der berühmten Großen Bärin. Sein hellster Stern Arktur ist nicht zu übersehen: Er ist der dritthellste Stern am gesamten irdischen Firmament.

 

 

Der Blick in die Tiefen des Kosmos

 

In den Frühlingsmonaten blicken wir des Nachts direkt aus der Milchstraße heraus. Sie ist unsere Heimatgalaxie: Eine Sterneninsel aus etwa 250 Milliarden Sternen, die sich in einer flachen Spiralscheibe anordnen. Unsere Sonne mit ihren acht Planeten treibt darin wie ein verlorenes Sandkorn unter unzähligen weiteren Sternen.

Da unser Blick im Frühling senkrecht aus unserer Galaxie hinausführt, stören Gas- und Staubwolken der Milchstraße unsere Fernsicht nicht und wir können die Tiefen des Kosmos erforschen. Dabei werden uns die unermesslichen Dimensionen des Weltalls bewusst: Gerade im Bereich des Sternbilds Jungfrau sehen wir beim Blick durchs Fernrohr winzige Lichtfleckchen aufleuchten. Professionelle Teleskope, wie das Hubble Weltraumteleskop, zeigen uns, dass dies ferne Galaxien sind, die ihrerseits aus Milliarden von Sternen bestehen.

Mithilfe des Hubble Teleskops konnte zum ersten Mal die Entfernung unserer Erde zu diesen fernen Lichtfleckchen bestimmt werden. Das Ergebnis: Uns trennt eine Distanz von 65 Millionen Lichtjahren. Kaum zu begreifen – das Licht dieser Galaxien benötigte 65 Millionen Jahre, um uns zu erreichen.

 

 

Der rote Planet

 

In beruhigender Nähe zur Erde befindet sich dagegen unserer roter Nachbarplanet. Blicken wir in den Abendstunden rechterhand vom Orion über den Westhorizont, so fällt uns ein rötlich leuchtendes Himmelsobjekt auf: Der Mars. Seine Entfernung zu uns beträgt nur wenige Lichtminuten. Und da Mars auch mit konventioneller Raketentechnologie in sieben Monaten erreicht werden kann, ist er schon seit Jahrzehnten Gegenstand intensiver Forschung.

Auf den ersten Blick ist Mars mit seiner dünnen Atmosphäre und Temperaturen um -55°C ein trockener Wüstenplanet. Doch das war nicht immer so: Forscher sind sich sicher, dass zumindest in der Vergangenheit flüssiges Wasser auf der Oberfläche des Mars existiert hat. Satellitenbilder zeigen uns ausgetrocknete Seen und Flusstäler auf dem roten Planeten. Seit 1960 haben sich 47 unbemannte Raumfahrtmissionen auf den Weg zum Mars gemacht, um ihm seine Geheimnisse zu entlocken. Heute sind es besonders die Landefähren, die für Aufsehen sorgen: So hat der NASA-Rover „Curiosity“ Gesteinsformationen untersucht, die von fließendem Wasser geformt wurden. Und der im November angekommene Lander „Mars Insight“ soll mit seinem Seismometer den Untergrund des roten Planeten untersuchen. Gelingt dies, wäre es der erste Blick ins Innere eines fremden Planeten.

Schauen Sie also im Frühling hoch an den Nachthimmel. Lassen Sie sich von den unbegreiflichen Dimensionen verzaubern – es gibt so viel zu entdecken!