Urania-Planetarium
 
 

Himmelsbeobachtungen im Herbst 2020

 

Tagundnachtgleiche – Der astronomische Herbstanfang

Am 22. September überschritt die Sonne den Himmelsäquator auf dem Weg nach Süden. Dies ist der Zeitpunkt des astronomischen Herbstanfangs. In Potsdam bemerken wir vor allem den sich rasch verkürzenden Tagbogen der Sonne und ihre stetig abnehmende Mittagshöhe. Ein Beobachter auf dem Erdäquator hingegen kann die Sonne nun zur Mittagszeit genau im Zenit betrachten, während Bewohner der Südhalbkugel die Sonne sogar ein wenig in Himmelsrichtung Nord sehen. Der 22. September heißt auch „Tagundnachtgleiche“. Die Sonne geht um 7 Uhr morgens auf und um 19 Uhr abends unter, so dass wir einen genau 12 Stunden langen lichten Tag und eine 12 Stunden lange Nacht erleben können. Und was für eine Nacht!

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Quelle: Stellarium/URANIA-Planetarium

 

Die Milchstraße in voller Pracht

Quer über den abendlichen Sternenhimmel zieht sich das leuchtende Band der Milchstraße. Wir sehen unsere heimatliche Galaxis – eine Sterneninsel aus ca. 200 Milliarden Sternen – von innen heraus. Tatsächlich wäre sie von außen betrachtet eine Spiralscheibe, die durch ihre Rotation abgeflacht wie ein Diskus ist. In den kommenden frühen Herbstnächten können wir noch einige letzte Blicke in Richtung der Ebene unserer Milchstraße genießen, ehe die Sonne gen Winter diese Himmelsregion wieder überstrahlen wird.

Doch woher kommt der eigentümliche Name unserer Heimatgalaxie? Ein Blick in die Mythologie der griechischen Antike führt uns zur Göttin Hera: Ihre Muttermilch sollen wir als leuchtenden Streifen, als Milchstraße am Nachthimmel sehen. Solch starkem Tobak mistraute schon vor über 2.000 Jahren der Gelehrte Demokrit und nahm an, die Milchstraße sei eine Ansammlung aus unzähligen Sternen – womit er ins Schwarze traf. Dem schlechten Auflösungsvermögen unserer Augen ist es geschuldet, dass wir ohne optisches Hilfsmittel keine Einzelsterne, sondern nur einen nebligen Streifen am Himmel sehen. Bereits ein kleines Fernglas offenbart die wundervolle Sternenfülle der Milchstraße. Nehmen Sie sich also – gern mit Fernglas ausgerüstet – in den kommenden Nächten die Zeit für etwas „Spazierensehen“ am Nachthimmel. Ihre Augen benötigen etwa eine halbe Stunde, bis sie perfekt an die Dunkelheit angepasst sind. Sie werden überwältigt sein, welchen Unterschied diese kurze Anpassungszeit bei der Beobachtung macht.

 

Mars – Ein roter Planet für die ganze Nacht

Mit bloßem Auge und auch ohne lange Anpassungszeit sind unsere drei äußeren Nachbarplaneten am Abendhimmel zu erspähen. Kurz nach Sonnenuntergang zeigen sich im Süden die Gasriesen Jupiter und Saturn auf Abschiedstournée, ehe sie im kommenden Januar für eine Weile von der Himmelsbühne abtreten. Der Star unter den Planeten ist im Herbst 2020 der kleine Mars. Unser roter Nachbarplanet strahlt trotz seiner geringen Größe – er besitzt nur etwa den halben Erddurchmesser – in glänzendem Licht. Grund genug, ihn näher unter die Lupe zu nehmen.

Ob „Horus, der Rote“ im alten Ägypten, „Angaraka“ (Glühende Kohle) im Sanskrit oder eben „Mars“, der Kriegsgott – die rote Farbe dieses Planeten spiegelte sich stets in der Namensgebung wieder. Ein Teleskop ist nicht vonnöten, um Mars als roten Himmelskörper wahrzunehmen. Ursächlich für seine Färbung ist das in seinem Oberflächengestein reichlich vorkommende Eisenoxid – mit seinen 4,5 Milliarden Jahren ist Mars eben ein wenig eingerostet.

Seine diesjährige Helligkeit im astronomischen Herbst verdankt er einer Oppositionsstellung im sonnennächsten Punkt seiner Bahn. Er ist damit erstens die ganze Nacht über zu sehen, da er der Sonne genau gegenüber steht. Zweitens trennen Erde und Mars in diesen Tagen eben „nur“ etwa 60 Millionen Kilometer: Seine Umlaufbahn ist elliptisch mit einem ausgeprägten sonnenfernen und sonnennahen Punkt. Da unsere Erde gerade jetzt zwischen Mars und Sonne steht, ist der rote Planet auch der Erde besonders nah. Er erscheint heller und – bei der Betrachtung durch ein Fernrohr – größer. Erst in 13 Jahren wird sich eine ähnlich günstige Sichtbarkeit für den irdischen Beobachter ergeben. Ein Blick zum Mars durch ein kleines Fernrohr lohnt sich: Dunkle Tiefebenen und weiße Polkappen sind sichtbar. Das überraschend dynamische Wettergeschehen offenbart uns spontane Wolkenbildungen und gewaltige Staubstürme, die den ganzen Planeten umfassen können.

Fantastische Details werden uns hoffentlich drei Raumsonden liefern, die zurzeit auf dem Weg zum roten Planeten sind. „El Amal“, der erste Marsorbiter der Vereinigten Arabischen Emirate, soll dessen Atmosphäre genauer durchleuchten, während der chinesische Rover „Tianwen“ und der US-amerikanische Rover „Perseverance“ Gestein und Atmosphäre unmittelbar auf der Oberfläche untersuchen. „Perseverance“, die mittlerweile vierte Generation der fahrbaren Marsrover, soll seine Bodenproben übrigens in Depots lagern – für einen möglichen späteren Rücktransport zur Erde. Alle drei Raumfahrzeuge erreichen Mars im Februar 2021. Sie werden einen wüstenhaften Planeten vorfinden, mit Durchschnittstemperaturen von -55°C an seiner Oberfläche und einer Atmosphäre, die dünner ist als die Luft auf dem Mount Everest. Sollten eines Tages einmal Menschen zum Mars reisen, so wäre ein Überleben an solch einem unwirtlichen Ort nur mit Schutzanzug und Atemgerät möglich. Eine „neue Heimat“ für uns Menschen ist der rote Planet nicht.

 

Die Internationale Raumstation

Zurück am Potsdamer Nachthimmel haben Raumfahrtfans ihre Freude daran, einen Überflug der Internationalen Raumstation (ISS) zu beobachten. Als hell leuchtender Punkt zieht sie in wenigen Minuten von West nach Ost über den Nachthimmel. Neben vielen weiteren Zeitfenstern in den kommenden Wochen bieten sich besonders folgende Gelegenheiten zur Beobachtung der ISS am Himmel über Potsdam an: 26.09. ab 20:11 Uhr; 27.09. ab 21:00 Uhr; 28.09. ab 20:13 Uhr. Details zu den Überflügen und weitere Zeitfenster unter www.astroviewer.net

Stets klare Sicht, wünscht Simon Plate.