Der AstroClub hebt ab ...

Mit dem Stratosphärenballon in den (nahen) Weltraum

 

 

 

 

Wir haben vor kurzem ein wunderbares Abenteuer erlebt: Am 20.10.2013 hat der AstroClub erfolgreich einen Stratosphärenballon gestartet und nach zwei Stunden Flugzeit zur Landung gebracht. Das war ein tolles Projekt, erforderte aber auch eine gute Vorbereitung von allen Teilnehmern. Aber von Anfang an:

 

Was ist ein Höhenballon überhaupt?

Einfach gesagt, ein Wetterballon. Darunter kann sich jeder etwas vorstellen: Ein Ballon, mit Helium gefüllt, der in große Höhe aufsteigt und dort irgendwann platzt. Gleiches haben wir vor, nur soll der gesamte Aufstieg (ca. 2 - 3 Stunden) mit einer Kamera an Bord dokumentiert werden. Spannende Filmaufnahmen aus großen Höhen erwarten uns!

 

Wie hoch fliegt der Höhenballon?

Es hängt von der Bauweise ab. Doch wir streben eine maximale Flughöhe von 20 bis 30 km an. Das ist doppelt bis dreifach so hoch, wie ein Verkehrsflugzeug fliegt. Außerdem sieht es hier schon wirklich nach Weltraum aus, der Himmel schwarz, der blaue Planet unter uns (auch wenn das All offiziell erst in 100 km Höhe beginnt).

 

Welchen Sinn hat das überhaupt?

Wir wollen nicht nur eine Kamera, sondern auch einen Temperatur- und Luftfeuchtesensor nach oben schicken. Das ist Atmosphärenforschung zum Anfassen, die den Teilnehmern vertieftes Wissen zu Atmosphärenprozessen zuteil werden lässt. Und außerdem macht das alles einfach Spaß!

 

 

ballon_crew

 Die Ballonspezialisten vom AstroClub

 

__________________________________________________________________

 

 

Ein kleines Tagebuch zum Start:

 

Startort:              Nähe Werder

Startzeit:             20.10.2013 um 9:45 Uhr

Erreichte Höhe:    21.327 Meter

Flugdauer:          ca. 2 Stunden

Zielort:               Gorzów Wielkopolski

 

ballon_graph

Temperatur- und Luftfeuchteverlauf während des zweistündigen Fluges 

 

 

08:45 Uhr

Wir kommen am Startort südlich von Werder an. In bester Laune bereiten wir in zwei Gruppen den Start vor: Gruppe 1 füllt den Heliumballon, Gruppe 2 bereitet unsere Raumsonde vor. Die Kamera wird angeschaltet und die Aufzeichnung für den zweistündigen Flug gestartet, der Temperatur- und Feuchtelogger installiert, der GPS-Tracker eingeschaltet. Unsere Raumsonde ist eine fest verklebte Styroporbox, welche nun verschlossen wird.

 

09:30 Uhr

Der Ballon ist mit gerade der richtigen Heliummenge befüllt, die uns auf 30.000 Meter Höhe bringen soll. Nun wird an ihn der Fallschirm und darunter unsere Raumsonde geknüpft. Noch mal alle Verbindungen kontrollieren, mit Tape überkleben und los kann es gehen.

 

09:45 Uhr

Wir starten! Jetzt gibt es kein zurück mehr - wahnsinnig schnell zieht es den Ballon samt Fracht in die Höhe und bereits nach drei Minuten ist unser Stratosphärenexperiment nur noch mit Mühe am Himmel zu erkennen. 

 

10:00 Uhr

Die Jagd beginnt: Bei starkem Westwind wird es unseren Ballon weit nach Osten tragen. Daher setzen wir uns gleich in die Autos und fahren bis zur polnischen Grenze, wo wir auf das GPS-Signal von unserer hoffentlich gut gelandeten Raumsonde warten.

 

13:30 Uhr

Endlich, das erwartete Signal! Doch, die Position ist unerwartet. Wir haben uns auf alles vorbereitet für die Bergungsaktion: Baumklettern, Schwimmen gehen ... doch nun liegt sie mitten in einer Stadt. Also, nichts wie hin!

 

15:00 Uhr

Wir fahren auf den Parkplatz in Gorzów Wielkopolski auf dem unser Experiment gelandet sein soll. Sofort erkennen wir den zerplatzten Ballon und unter ihm den Fallschirm - doch von der Styroporkiste mit Kamera und GPS-Tracker keine Spur.

 

17:00 Uhr

Nach langer Suche, Gesprächen mit Anwohnern und einem netten Pfarrer, der verspricht, sich bei uns zu melden, wenn er etwas erfahren hat, fahren wir ab. Es ist sehr frustrierend, nach so langer Fahrt nichts zu finden. Leider sendet der GPS-Tracker nicht, so dass wir seine neue Position nicht kennen. Doch, es ist offensichtlich, dass sie jemand mitgenommen hat - hoffen wir, mit guten Absichten.

 

17:30 Uhr

Das Handy klingelt. Wir sind bereits auf der Rückfahrt und so hebe ich widerwillig, trotz der hohen Telefonrechnung ab. "Hallo, ist da das Urania Planetarium? Ich habe eine schwarze Box gefunden und ihre Telefonnummer darauf gesehen!". Wir können unser Glück kaum fassen - tatsächlich hat man unsere Kiste gefunden. Eine kleine Notiz auf Deutsch und Polnisch mitsamt Kontaktdaten sollten den Finder animieren, die Box sicherzustellen. Voller Freude kehren wir um.

 

18:30 Uhr

Wir werden sehr herzlich in Empfang genommen und freuen uns, die Raumsonde in den Händen halten zu können. Damit uns diese Geschichte auch jeder glaubt - hier ein Foto von uns und der Familie, welche die Sonde gefunden hat:

 

SpaceBallon

Unsere freundlichen Helfer: Marek und Familie aus Polen

 

 

Fazit

Es war ein wunderbares Erlebnis und hat ohne Frage sehr viel Spaß gemacht.

 

Die Isolierung unserer Messgeräte innerhalb der Styroporbox war perfekt! Trotz knapp -50 °C in der unteren Stratosphäre haben alle Geräte den Flug gut überstanden.

 

Der Temperaturlogger, der natürlich außerhalb der Styroporbox angebracht war, ist leider ab -40°C ausgestiegen, so dass ich etwa 10 Minuten interpolieren musste. Das nächste Mal also ein etwas besserer Logger.

 

Wir haben die 30 km Höhe nicht erreicht. Die Befüllung hat sich allerdings als sehr schwierig herausgestellt: Durch ordentlichen Wind war es nicht einfach, die richtige Auftriebskraft des Ballons zu bestimmen. Vielleicht haben wir ihn zu sehr befüllt, so dass er zwangsläufig früher platzen musste. Auf der anderen Seite kam der Ballon von Ebay - beim nächsten Mal sollte es ein qualitativ hochwertigerer sein.

 

 

Die Projektleitung hatte Simon Plate, Potsdam (simon.plate[at]gmx.de)